Finanzberater Check Geldanlage: Wer ist wirklich unabhängig?

FINANZBERATER-CHECK GELDANLAGE

Übersicht Beratertypen nach Kosten, Unabhängigkeit und Produktvielfalt

Welcher Berater kostet wieviel und wer ist wirklich unabhängig?

Wenn Du dich für einen Finanzberater entscheiden willst, steht dir ein breites Beratungsangebot zur Verfügung zwischen dem Du dich entscheiden kannst. Die meisten wünschen sich einen unabhängigen Finanzberater, der auf ihre persönlichen Wünsche eingeht. Aber welcher Finanzberater kann diesen Anspruch wirklich erfüllen? Wir geben dir eine Übersicht über die verschiedenen Finanzberater-Gruppen und zeigen dir außerdem, welche Vor- und Nachteile sie mitbringen. Hierbei unterscheiden wir zwischen Beratungskosten, Anlagekosten, Servicekosten und der finanziellen Unabhängigkeit bei der Beratung und der Produktvielfalt. 

Die Prozentzahl repräsentiert den Wert der Vergleichbarkeit.

Beispiel: Finanzielle Unabhängigkeit (75%) bei Honorarberatern. Je höher der prozentuale Anteil, desto mehr Bedeutung wird der finanziellen Unabhängigkeit für die jeweilige Finanzberater-Gruppe beigemessen (hier: Honorarberater).

Welche Arten von Finanzberater gibt es?

  • Honorarberater
  • Versicherungsmakler
  • Strukturvertriebler
  • gebundene Vermittler
  • Ausschließlichkeitsvermittler
  • Bankberater
  • Vermögensverwalter/Private Banking
  • Robo-Advisor

Vorwort: Worauf du achten solltest!

Lass dich nicht von originellen Namensgebungen mancher Finanzberater täuschen. Egal, ob Vermögensberater, Finanzberater, Finanzanwalt oder Finanzoptimierer, viele sind dabei sehr einfallsreich ihre eigentliche Registrierung zu verschleiern, da kaum einer dieser Begriffe geschützt ist. Zugleich ist genau diese Registrierung im ersten Moment wichtig! In den meisten Fällen sind Finanzberater bei der IHK registriert, bei einer Bank freiberuflich, fest angestellt oder sind für eine Versicherung tätig. Du kannst die Registrierung eines Finanzberaters (mit Ausnahme der Banken) im Vermittlerregister nachschauen. Dafür brauchst du nur seine Registrierungsnummer, die z.B. so aussieht D-X-000-XX00-00.

Honorarberater

Der Honorarberater wird direkt vom Kunden bezahlt. Ein Honorarberater berechnet sein Honorar an der Höhe des Aufwands. Dabei gibt es entweder Pauschalhonorare oder Stundenhonorare, die zwischen 100,-€ und 200,-€ liegen. Ein Honorarberater sollte als Honorar-Finanzanlageberater (§34h) registriert sein.

Beratungskosten (60%)Bei Anlagesummen über 20.000€ sind die Beratungskosten i.d.R. niedriger als die Anlagekosten bei vergleichbaren Finanzberatern, da ein pauschales Honorar für die Beratung und keine prozentuale Beteiligung für den Abschluss berechnet wird. Bei Anlagesummen unter 10.000€ sind die Kosten höher als in der Vergleichsgruppe.

Anlagekosten (100%): Für den Abschluss werden keine Kosten berechnet. Normalerweise empfiehlt ein Honorarberater kostengünstige Anlageprodukte. 

Servicekosten (75%)In der Regel verlangt ein Honorarberater eine jährliche Servicegebühr. Etwaige versteckte Provisionen (sog. “kickbacks”) werden zurückerstattet. 

Finanzielle Unabhängigkeit (85%)Der Honorarberater darf per Gesetz keine Vergütung von Produktgebern erhalten, sondern wird für die Beratung ausschließlich vom Kunden bezahlt. Berechnet der Honorarberater eine jährliche Servicegebühr für die Betreuung, hat er allerdings ein Interesse, dass der Kunde sein Geld bei ihm anlegt. 

Produktvielfalt (85%): Ein Honorarberater kann mit den passenden Registrierungen theoretisch zu allen Produkten beraten. 

Strukturvertriebler

Strukturvertriebler geben sich meist als Finanzberater aus, Finanz- oder z.B. Vermögensplaner. Die Registrierung bei der IHK lautet für die Geldanlageberatung Finanzanlagenvermittler (§34f) und im Versicherungsbereich Mehrfachagent (34d Abs.1). Zu den bekanntesten Strukturvertrieben zählen MLP, Swiss Life Select (ex-AWD), tecis, Horbach & OVB. Der selbstständige Strukturvertriebler erhält seine Zuwendungen vom jeweiligen Strukturvertrieb.

Beratungskosten (100%): Für die Beratung werden keine Kosten berechnet.

Anlagekosten (35%): Beim Abschluss werden Ausgabeaufschläge (=”Agio”) von bis zu 5% der Anlagesumme berechnet. Bei höheren Anlagesummen besteht eine Rabattmöglichkeit.

Servicekosten (55%)Versteckte Provisionen (sog. “kickbacks”) werden i.d.R. nicht zurückerstattet und nicht transparent ausgewiesen. Die Höhe der “kickbacks” variiert und liegt durchschnittlich bei 0,4% – 0,7% pro Jahr.  Teilweise wird zusätzlich noch eine jährliche Servicegebühr verlangt.

Finanzielle Unabhängigkeit (0%)Der Strukturvertriebler erhält nur beim Abschluss einer Geldanlage seine Provision. Es besteht das Risiko eines Interessenkonflikts.

Produktvielfalt (50%): Die Produkte, die der Strukturvertriebler anbieten kann, werden vom Unternehmen festgelegt. Häufig finden Produkte mit besonders hohen laufenden “kickbacks” ihren Weg auf die sog. Empfehlungsliste. Die Auswahl ist breiter als bei gebundenen-/Ausschließlichkeitsvermittlern oder Bankern, aber zum Teil deutlich eingeschränkter als bei Honorarberatern oder Versicherungsmaklern.

Bankberater

Der Bankberater arbeitet, wie der Name bereits vermuten lässt, für eine bestimmte Bank. In der Regel ist der Bankberater bei der Bank angestellt und erhält ein Fixgehalt. Eventuelle Bonuszahlungen sind abhängig von der Höhe der Abschlüsse.

Beratungskosten (100%): Für die Beratung werden keine Kosten berechnet.

Anlagekosten (25%): Beim Abschluss werden Ausgabeaufschläge (=”Agio”) von bis zu 5% der Anlagesumme berechnet. Die Rabattierungsmöglichkeiten sind eher eingeschränkt oder erst ab sehr großen Anlagesummen möglich.

Servicekosten (55%)Versteckte Provisionen (sog. “kickbacks”) werden i.d.R. nicht zurückerstattet und nicht transparent ausgewiesen. Die Höhe der “kickbacks” variiert und liegt durchschnittlich bei 0,4% – 0,7% pro Jahr. Bei vereinzelten Banken werden zusätzlichen noch jährliche Servicegebühren verlangt.

Finanzielle Unabhängigkeit (60%): Erhält für den Abschluss keine zusätzliche Provision. Bonuszahlungen sind abhängig von der Höhe der Abschlüsse.

Produktvielfalt (15%): Der Bankberater kann nur die hauseigenen Produkte anbieten. Erst bei größeren Anlagesummen wird die Produktpalette erweitert.

Versicherungsmakler

Der Versicherungsmakler wird von Versicherern und Produktgebern bezahlt. Der Großteil der Einnahmen eines Versicherungsmaklers stammen aus Provisionseinnahmen. Er ist als Finanzanlagevermittler (§34f) bei der IHK registriert.

Beratungskosten (100%): Für die Beratung werden keine Kosten berechnet.

Anlagekosten (35%): Beim Abschluss werden Ausgabeaufschläge (=”Agio”) von bis zu 5% der Anlagesumme berechnet. Bei höheren Anlagesummen besteht eine Rabattmöglichkeit.

Servicekosten (25%)Versteckte Provisionen (sog. “kickbacks”) werden i.d.R. nicht zurückerstattet und nicht transparent ausgewiesen. Die Höhe der “kickbacks” variiert und liegt durchschnittlich bei 0,4% – 0,7% pro Jahr.  Teilweise wird zusätzlich noch eine jährliche Servicegebühr verlangt. Meistens sind die Servicegebühren höher als bei Bankberater oder Strukturvertrieblern.

Finanzielle Unabhängigkeit (0%)Der Versicherungsmakler erhält nur beim Abschluss einer Geldanlage seine Provision. Es besteht die Gefahr eines Interessenskonflikts.

Produktvielfalt (70%): Kann nahezu alle Produkte anbieten, wird sich im Vergleich zum Honorarberater aber eher auf Produkte mit einer enthaltenen Provision fokussieren.

Gebundene Vermittler

Die “Vermögensberater” des größten Strukturvertriebs Deutschlands- die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) sind laut Registrierung Finanzanlagenvermittler (34f) oder im Versicherungsbereich gebundene Vermittler (34d, Abs.4). Der Vermittler erhält seine Zuwendungen vom  Strukturvertrieb.

Beratungskosten (100%): Für die Beratung werden keine Kosten berechnet.

Anlagekosten (35%): Beim Abschluss werden Ausgabeaufschläge (=”Agio”) von bis zu 5% der Anlagesumme berechnet. Bei höheren Anlagesummen besteht eine Rabattmöglichkeit

Servicekosten (65%)Versteckte Provisionen (sog. “kickbacks”) werden i.d.R. nicht zurückerstattet und nicht transparent ausgewiesen. Die Höhe der “kickbacks” variiert und liegt durchschnittlich bei 0,4% – 0,7% pro Jahr. 

Finanzielle Unabhängigkeit (0%)Der “Vermögensberater” erhält nur beim Abschluss einer Geldanlage seine Provision. Es besteht die Gefahr eines Interessenkonflikts. 

Produktvielfalt (15%): Die Produkte, die der “Vermögensberater” anbieten kann, werden vom Unternehmen festgelegt. Meistens werden nur Produkte einiger weniger Gesellschaften angeboten die besonders hohe laufende “kickbacks” enthalten. Die Auswahl der Anlageprodukte ist gegenüber Honorarberatern, Versicherungsmaklern und Strukturvertrieblern deutlich eingeschränkt.

Ausschließlichkeitsvermittler

Der Ausschließlichkeitsvermittler arbeitet für eine bestimme Versicherung. Laut Registrierung ist er als Versicherungsvermittler (34d Abs.4) registriert. Der Vermittler erhält seine Zuwendungen von der Versicherungsgesellschaft.

Beratungskosten (100%): Für die Beratung werden keine Kosten berechnet.

Anlagekosten (0%): Der Versicherungsvermittler kann nur Versicherungsprodukte als Geldanlage vermitteln. Beim Abschluss werden Ausgabeaufschläge (=”Agio”) von bis zu 5% der Anlagesumme berechnet.

Servicekosten (65%): Im Versicherungsvertrag sind die Servicekosten in den jährlichen Gebühren mit einberechnet. Je nach Gesellschaft werden die “kickbacks” nicht, teilweise oder ganz zurückerstattet. Die Kostentransparenz ist meistens nicht gegeben.

Finanzielle Unabhängigkeit (0%)Der Versicherungsvermittler erhält nur beim Abschluss einer Geldanlage seine Provision. Es besteht die Gefahr eines Interessenkonflikts. 

Produktvielfalt (0%): Der Versicherungsvermittler kann nur die hauseigenen Produkte anbieten.

Vermögensverwaltung

Der Vermögensverwalter wird direkt vom Kunden bezahlt, indem er beim Abschluss eine prozentuale Gebühr der Anlagesumme verlangt. Teilweise legen Vermögensverwalter auch eigene Fonds auf. Der Vermögensverwalter verfügt über eine spezielle Lizenz (§32 Abs.1 KWG), die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erteilt wird.

Beratungskosten (100%): Für die Beratung werden keine Kosten berechnet.

Anlagekosten (35%): Beim Abschluss wird eine prozentuale Gebühr der Anlagesumme berechnet.

Servicekosten (25%)Versteckte Provisionen (sog. “kickbacks”) werden i.d.R. nicht zurückerstattet und nicht transparent ausgewiesen. Die Höhe der “kickbacks” variiert und liegt durchschnittlich bei 0,4% – 0,7% pro Jahr. Meistens wird zusätzlich noch eine jährliche Servicegebühr verlangt. Erfahrungsgemäß sind die Servicekosten bei Vermögensverwaltungen meist am größten. 

Finanzielle Unabhängigkeit (0%)Der Vermögensverwalter erhält nur beim Abschluss einer Geldanlage seine Gebühr. Es besteht die Gefahr eines Interessenskonflikts.

Produktvielfalt (100%): Kann dank der speziellen KWG-Lizenz die meisten Produkte anbieten.

Robo-Advisor

Der Robo-Advisor ist die digitale Alternative zum klassischen Berater oder zur Vermögensverwaltung. Er besitzt entweder eine IHK Lizenz als Finanzanlagevermittler (§34f) oder als Vermögensverwalter (§32 Abs.1 KWG). Die Risiko- und Anlage-Ermittlung wird digital und ohne Berater durchgeführt.

Beratungskosten (100%): Für die Beratung werden keine Kosten berechnet.

Anlagekosten (100%): Für den Abschluss werden keine Kosten berechnet. 

Servicekosten (90%): In der Regel verwenden Robo-Advisor kostengünstige Anlageprodukte. Es wird entweder eine prozentuale Servicegebühr verlangt und/oder eine prozentuale Gewinnbeteiligung. Die Kosten sind dabei im Verhältnis zu den meisten anderen Beratern niedrig.

Finanzielle Unabhängigkeit (90%): Da die Beratung digital und automatisiert durchgeführt wird besteht am Anfang kein Interessenskonflikt, aber der Robo-Advisor erhält für die Betreuung eine prozentuale Servicegebühr oder Gewinnbeteiligung.

Produktvielfalt (40%): In der Regel gibt es vorgefertigte Portfolios. Alternativen sind nicht möglich. 

Fazit

Die bestmögliche Beratung hängt von Deinen Bedürfnissen und Deinen Investitionsmöglichkeiten ab. Es ist besonders wichtig darauf zu achten, worauf Dein Finanzberater spezialisiert ist und welche Registrierung er mitbringt. Denn so hast Du bei der Vielzahl an Beratern zuverlässige Hinweise auf die Kompetenz und Seriösität des Dienstleisters. Wenn Du großen Wert auf eine persönliche und qualitative Finanzberatung ohne Interessenskonflikte legst, dann punktet bei diesem Finanzberater-Check das Modell des unabhängigen Honorarberaters. In vielerlei Hinsicht bietet er die ideale Mischung aus individueller Beratung, leistungsbezogener und direkter Vergütung durch den Kunden sowie die Anwendung digitaler Technologien für präzise Finanzprognosen. Der auf Honorarbasis tätige Berater ist auch eine gute Alternative für diejenigen, die eine neutrale und zweite Meinung in Bezug auf bestehende Finanzprodukte in Anspruch nehmen wollen. Denn dann liegt der Fokus nicht auf der Anzahl der abgeschlossenen Verträge, sondern auf der Beratung zu leistungsstarken Produkten.

Wenn Du noch Fragen zu den Beratergruppen hast oder unsicher bist, welches Beratungsmodell für Dich das richtige ist, dann nimm gerne Kontakt mit uns auf. Wir helfen dir gerne weiter!

Weitere Infos

So sieht eine Honorarberatung aus

Von |2018-11-19T13:58:39+00:002. Dezember 2017|Geldanlage|

Geschrieben von

Ingo
Experte für Geldanlagen & Finanzplanung

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