Sell in May go away – Realität oder Fiktion? Wir haben die Zahlen!

Sell in May go away, but remember to come back in September

Die allseits verbreitete Börsenweisheit geht davon aus, dass die Aktienmärkte sich von Mai bis September schlechter entwickeln als in den übrigen Börsenmonaten. Wir haben, anhand der Entwicklung des MSCI World von 1971 – 2016, überprüft, ob es sich hierbei um eine wahre Theorie handelt oder um bloße Fiktion. Zusätzlich geben wir Dir Tipps, wie Du dieses Wissen für Deine Geldanlage nutzen kannst.

 

Grundlagen

Als Datenbasis haben wir den MSCI World Index inkl. Dividenden verwendet. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich von 1971 bis 2016. Untersuchungsbasis der o.g. Theorie ist die Unterscheidung  in die Monate Mai bis September (fortfolgend “Sommermonate”) und Oktober bis April (fortfolgend “Wintermonate”).  Den Beginn unserer Datenreihe markiert der Zeitraum Oktober 1970 – April 1971, welcher mit dem Zeitraum Mai 1971 – September 1971 verglichen wird. Die Folgejahre werden dementsprechend identisch untersucht und verglichen.

Ergebnisse

Grafik 1 lässt bei genauerer Betrachtung bereits erahnen, dass die Wertentwicklung der Sommermonate häufig schlechter verläuft, als die der Wintermonate.

Grafik 1: jeweilige Wertentwicklung des MSCI World in den Sommer- und Wintermonaten von 1971 – 2016 :: Quelle maiwerk Finanzpartner, Dimensional Returns 2.0

Tatsächlich entwickelte sich eine Geldanlage in den MSCI World Index in 32 von 46 Fällen (Jahren) in den Wintermonaten besser als in den Sommermonaten. Grafik 2 hebt die Wahrscheinlichkeit einer besseren Wertentwicklung der Wintermonate noch einmal hervor. In ca. 2 von 3 Fällen hätten sich Aktien in diesem Zeitraum besser entwickelt.

Grafik 2: Wahrscheinlichkeit einer besseren Wertentwicklung zwischen den Winter-/Sommermonaten von 1971 – 2016 :: Quelle maiwerk Finanzpartner, Dimensional Returns 2.0

Doch besteht nicht nur eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Wintermonate besser abschneiden als die Sommermonate, sondern, als eine Folge daraus, liegt die summierte als auch die jährliche Wertentwicklung der Wintermonate deutlich über der der Sommermonate (Grafik 3 & 4).

Grafik 3: summierte Wertentwicklung Winter- vs. Sommermonate von 1971 – 2016 :: Quelle maiwerk Finanzpartner, Dimensional Returns 2.0

Grafik 4: durchschnittliche jährliche Wertentwicklung Winter- vs. Sommermonate von 1971 – 2016 :: Quelle maiwerk Finanzpartner, Dimensional Returns 2.0

Die beiden Grafiken verdeutlichen, dass man keinen Gewinn erzielt hätte, wenn man sein Geld nur in den Sommermonaten angelegt hätte.

Mögliche Schwachstellen

Kritiker setzen der Theorie vor allem zwei Argumente entgegen. Zum einen würden die massiven Unterschiede in der Wertentwicklung zum Großteil aus den beiden großen Crashs von 2000/2001 und 2008/2009 entstanden sein und zum anderen haben die “Wintermonate” effektiv zwei Monate mehr als die Sommermonate. In unserem Betrachtungszeitraum ergeben sich daraus 92 Monate mehr. Um die erste Annahme zu überprüfen, haben wir die beiden großen Crashs aus dem Bewertungszeitraum entfernt. Daraus erhalten wir folgendes Ergebnis:

Wintermonate, summierte Wertentwicklung: 384,51% (vorher: 391,23%)
Sommermonate, summierte Wertentwicklung: 46,80% (vorher: -0,78%)

Zwar verbessert sich das Ergebnis der Sommermonate, doch liegt es immer noch signifikant unter dem der Wintermonate.

Kritikpunkt Nummer 2 richtet sich gegen die unterschiedlichen Längen der verschiedenen Zeitfenster. Um auch hier valide Ergebnisse zu erhalten haben wir die verschiedenen Zeitfenster statistisch angeglichen. Als Ergebnis erhalten wir:

Wintermonate, Wahrscheinlichkeit einer besseren Wertentwicklung: 69,57% (vorher: 67,39%)
Sommermonate,Wahrscheinlichkeit einer besseren Wertentwicklung: 30,43% (vorher: 32,61%)

Erstaunlicherweise erhöht sich die Wahrscheinlichkeit entgegen der Meinung der Kritiker sogar noch. Die zusätzlichen Monate können entsprechend keine Rolle spielen.

Fazit

Wir haben bewiesen, dass diese Börsenweisheit kein Ammenmärchen ist. Aus den Werten der Vergangenheitsbetrachtung ist klar zu erkennen, dass sich eine Geldanlage in den MSCI World Index in den Wintermonaten meistens deutlich besser entwickelt als in den Sommermonaten. Unsere Auswertungen zeigen aber auch, dass in ca. einem Drittel aller Fälle ein Investment in den Sommermonaten eine bessere Alternative gewesen wäre. In der Praxis wird es somit sehr schwer sein den Börsenguru zu mimen und vorauszuerahnen, welcher Zeitraum in welchem Jahr sich zukünftig besser entwickeln wird. Generell erweist sich “Markettiming”, d.h. abzuschätzen wann man aus einem Markt “aussteigt” und wieder “einsteigt”, sowieso als problematisch, da man selten den “richtigen” Zeitpunkt trifft und durch das ständige Kaufen und Verkaufen von Anteilen immer wieder Transaktionskosten oder gegebenenfalls, je nach Anbieter, sogar Ausgabeaufschläge entstehen.

Aber wie nutze ich dieses Wissen um diese Börsenweisheit nun?

Mit dem Wissen, dass statistisch gesehen die Sommermonate schlechter performen als die Wintermonate, kannst Du eine einmalige Geldanlage oder Reinvestition in Dein Depot geschickt über mehrere (Sommer-)Monate verteilen. So kaufst Du mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu tieferen Kursen ein und streust zudem Dein Risiko, da Du zu mehreren unterschiedlichen Zeitpunkten kaufst. Man nennt die Vorgehensweise auch den “Cost-Average-Effekt”.

Solltest Du Deine Geldanlage über mehrere Anlageklassen (z.B. Aktien, Anleihen, Gold, Immobilien etc.) gestreut haben oder mit ETFs in verschiedene Regionen, Ländern und Branchen investiert sein, so bietet es sich an, Deine zu Beginn gewählte Aufteilung wiederherzustellen. Das hat folgenden Grund: hast Du in der Vergangenheit z.B. eine Anlagestrategie von 50% Aktien und 50% Anleihen gewählt, so könnte sich das Verhältnis mittlerweile, durch eine hervorragende Entwicklung der Aktienmärkte, bei 60% Aktien und 40% Anleihen befinden. Durch die höhere Aktienquote erhöhen sich auch die Risiken in Deinem Depot. Wenn Du dieses Risiko nicht eingehen möchtest ist es empfehlenswert, das ursprünglich gewählte Risiko wiederherzustellen (50%/50%). Das tust Du in dem Du zum Mai die Gewinne aus den Aktienmärkten (teilweise) realisierst.

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Von | 2017-05-26T08:55:36+00:00 30. Mai 2017|ETF, Geldanlage|

Geschrieben von

Ingo
Spezialist für Vermögensaufbau/Geldanlage

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