Wir bei maiwerk sind große Fans von ETFs und empfehlen sie dir mit gutem Gewissen. Aber das ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit, wie du dein Geld anlegen kannst. Momentan fragen uns viele Kunden, ob es nicht gerade jetzt Sinn machen würde, in Einzelaktien zu investieren. Woher kommen momentan die vermehrten Anfragen zu diesem Thema? Eine Erklärung ist: Die Corona-Krise macht uns Sorgen, viele von uns sind einem deutlich höheren emotionalen Stress als sonst ausgeliefert. Der französische Soziologe Michel Dobry sagt, dass Gesellschaften, die Stress erleben, eine sogenannte Regression durchleben, das heißt, sie fallen zurück zu dem letzten Zustand des „Normalen“. Genau das kann auch uns Geldanlegern passieren. Aber was ist das letzte Level der Komfortzone, auf das wir zurückfallen? Wir überlegen nun, ob wir in dieser Krise nur noch von solchen Unternehmen Aktien kaufen sollten, die wir gut kennen und die uns vertraut sind. Vielleicht ist es bei dir „Bayer“, weil du jemanden kennst, der da arbeitet? Oder „Lufthansa“, weil du mit dieser Fluggesellschaft immer in den Urlaub fliegst? Der Wunsch, der mitunter dahintersteckt, lautet: Ich möchte in dieser undurchschaubaren Krisensituation wenigstens mein Depot besser steuern und kontrollieren können. Wie gut das mit Einzelaktien geht, wann es Sinn macht auf sie zu setzen und unter welchen Voraussetzungen man besser die Finger davon lässt, schauen wir uns nun an.

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Was ist eine Aktie?

Wenn du eine Aktie kaufst, hast du einen realen Wert in der Hand, denn du kaufst mit einer Aktie Unternehmensanteile. Herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt Miteigentümer eines Unternehmens! Dir gehört also ein kleiner Teil der Firma, in die du investiert hast, zum Beispiel die Türklinke, wenn man es bildlich vor Augen haben möchte. Hast du eine oder mehrere Aktien eines Unternehmens erworben, kannst du dich gut und gerne Aktionär nennen. Was ist aber der Unterschied zu einem ETF?

Aktie und ETF im Vergleich

Stell dir vor du gehst in deine Bäckerei deines Vertrauens und der Apfelkuchen in der Auslage erinnert dich genau an den, den deine Oma immer gebacken hat. Du bist dir daher sicher: Du möchtest den ganzen Kuchen kaufen. Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten. Du packst den Kuchen vorsichtig Zuhause aus, probierst das erste Stück und bist wahnsinnig begeistert! Wie früher, denkst du dir und schwelgst in Kindheitserinnerungen. Leider kann auch genau das Gegenteil passieren: Du bist maßlos enttäuscht. Der Kuchen schmeckt überhaupt nicht. So ist das mit Einzelaktien, du setzt alles auf eine Karte – ob es der Apfelkuchen oder ein Unternehmen ist – und musst mit den Konsequenzen leben, denn du hast schließlich ein Anteil des Unternehmens gekauft.

Jetzt spulen wir nochmal zurück und befinden uns erneut in der Bäckerei. Diesmal entscheidest du dich dafür, nur ein einzelnes Stück Apfelkuchen und sieben weitere, ganz verschiedene Kuchenstücke zu kaufen, unter anderem zum Beispiel Erdbeer-, Rhabarber- und Mohnkuchen. Zuhause probierst du den Rhabarberkuchen als erstes, aber er ist dir viel zu sauer. Mit einem Schulterzucken legst du den Teller zur Seite und probierst einen anderen Kuchen, du hast schließlich noch sieben andere Stücke zur Auswahl. So in etwa ist das mit ETFs. Da sie einen bestimmten Index nachbilden, zum Beispiel den DAX, kaufst du anteilig alle erhältlichen Aktien als ganzes Paket. Selbst wenn zwei dieser vielen Aktien innerhalb eines ETFs an Wert verlieren, ist das nur halb so schlimm.

Macht es aber für dich Sinn, direkt einen ganzen Apfelkuchen oder eben eine Einzelaktie zu kaufen? Oder wäre es für dich besser, du würdest viele verschiedene Kuchensorten auf einen Teller packen? Um das zu klären, gehen wir nun auf die Vorteile und die Nachteile von Einzelaktien ein, um im Anschluss noch einmal kurz vergleichend auf ETFs einzugehen. Natürlich beleuchten wir auch bei dieser Art der Geldanlage beide Seiten der Medaille.

Vorteile von Einzelaktien zu ETFs und anderen Aktienfonds

 

Chance auf mehr Rendite

    1. Wenn du Einzelaktien kaufst, hast du eine größere Chance auf eine hohe Rendite, da du gezielt in Unternehmen der Zukunft investieren kannst, die zum Beispiel die Digitalisierung weiterentwickeln oder die Nachhaltigkeit fördern und damit äußerst erfolgreich sind. Gezielt investieren meint hier ein konkretes Unternehmen, das in deinen Augen und somit ganz subjektiv, eine gute Zukunftsperspektive hat.
    2. Die Corona-Krise hat es so einigen Unternehmen in den letzten Wochen schwer gemacht. Du bist aber davon überzeugt, dass es manchen Firmen, wie Airbus oder TUI, allein aufgrund der Corona-Krise schlecht geht und sie in Zukunft wieder an ihren ursprünglichen Wert anknüpfen werden? Dann macht es womöglich Sinn, Anteile dieser bestimmten Unternehmen zu kaufen, an die du glaubst.

Gezielte Investition

Das unschlagbare Argument für den Erwerb von Einzelaktien: Man kann gezielt in einzelne Unternehmen und bestimmte Branchen investieren, die man vorher mit Sorgfalt ausgesucht hat. Dazu gehört als Anleger aber auch, dass man sich die Parameter genau anschaut und bewertet. Harte Faktoren wie Eigenkapitalrendite und Liquidität, aber auch weiche Faktoren, zum Beispiel die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage in der Branche oder wie gut das Management ihre Arbeit macht, müssen beobachtet werden. Wenn du dies akribisch machst, dann kannst du dir die Rosinen rauspicken oder in ein kleines Unternehmen investieren, das außer dir fast noch niemand auf dem Schirm hat.

Hohe Transparenz

Du weißt ganz genau, was hinter der jeweiligen Einzelaktie steckt, denn du kaufst sie ohne Mittelsmann in Form eines Fonds und investierst ganz gezielt in ein einzelnes Unternehmen – sofern du die Geschäftszahlen des jeweiligen Unternehmens stetig prüfst.

Reaktionsgeschwindigkeit

Bei Einzelaktien ist kein Warten nötig. Sie lassen sich schnell kaufen und genauso schnell auch wieder verkaufen.

Keine laufenden Kosten

Für die Verwaltung fallen keine laufenden Kosten an. Mit einem Transaktionskosten und eventuell Börsengebühren muss aber gerechnet werden.

Nachteile von Einzelaktien zu ETFs und anderen Aktienfonds

 

Höheres Risiko

  1. Starke Schwankung: Nicht selten passiert es, dass Einzelaktien stark schwanken. Selbst innerhalb weniger Stunden kann der Wert in die Höhe schnellen – oder aber in den Keller. Börsianer sprechen dann von einer gestiegenen oder gefallenen Volatilität, der Schwankung um den Mittelwert. Nichts für schwache Nerven!
  2. Geringe Diversifikation: Natürlich kann man auch mit vielen Einzelaktien diversifizieren. Aber das ist nicht nur recht teuer, sondern auch ziemlich viel Aufwand, wenn man bedenkt, dass man bei allen Aktien ständig die Geschäftszahlen prüfen und Verlierer aussortieren muss.
  3. Größeres Totalverlustrisiko: Mit Einzelaktien kann man auf eine große Rendite hoffen, aber man kann genauso gut alles verlieren, zum Beispiel wenn ein Unternehmen pleitegeht. Entweder man hat mit seiner Einzelaktie Glück – oder eben Pech. Das Risiko ist äußerst hoch, denn mit deiner Einzelaktie hast du auf „All-in“ gesetzt.

Hoher emotionaler Stress

Wie der Autor des Buchs „Anlegerpsychologie“ Heinz-Kurt Wahren schreibt, streiten zwei Gehirnbereiche, wenn es um Geld geht: Der Präfrontalkortex, in dem Möglichkeiten vernünftig beurteilt werden, und das limbische System, das die Menschen antreibt, aber sie auch gierig werden lässt. Gier spielt bei Einzelaktien definitiv eine Rolle, denn man hofft mit ihnen einen großen Erfolg zu haben, also eine hohe Rendite abstauben zu können. Ob das wirklich passiert, steht in den Sternen, und genau diese Ungewissheit und die Angst, alles verlieren zu können, erzeugt einen hohen emotionalen Stress.

Größere einmalige Handelkosten

Immer auf der Suche nach der nächsten Top-Aktie? Wenn so mancher Anleger vermeintlichen „Geheimtipps“ hinterherrennt, werden Einzelaktien gerne mal schneller verkauft als man hingucken kann. Aber auch Verluste, die bei Einzelaktien auch mal drastisch ausfallen können, regen gerne dazu an, den Sell-Button zu drücken. Günstig ist dieses Verkaufs-Spielchen jedoch nicht, es kommen größere einmalige Handelskosten auf einen zu. Der Börsenspruch „Hin und Her macht Tasche leer“ ist nicht umsonst so berühmt.

Fazit

 

Die Hoffnung durch Einzelaktien näher am Finanzgeschehen sein zu können und mehr Kontrolle auf die Rendite zu haben, muss keinesfalls erfüllt werden. Im Schnitt machen Menschen und selbst aktive Fondsmanager, die durch Stock Picking, also Einzelaktienauswahl, einen hohen Gewinn zu erwirtschaften versuchen, mit Einzelaktien schlechtere Renditen als zum Beispiel mit ETFs. Deshalb: Bevor du dich aufmachst und wild Einzelaktien erwirbst, setz dich nicht nur mit den vielversprechenden Vorteilen auseinander, sondern auch mit ihren Nachteilen.

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Alternative: ETFs

 

Während das unschlagbare Argument für den Erwerb von Einzelaktien lautet, dass man überlegt und gezielt in einzelne Unternehmen investieren kann, ist genau das Gegenteil der große Vorteil von ETFs: Diversifikation. Im Gegensatz zu Einzelaktien können ETFs zwar nie outperformen, also den Markt schlagen, da die Rendite immer mit dem Markt geht, aber dafür musst du kein großes Risiko tragen und bist keinen extremen Schwankungen ausgesetzt, die dein investiertes Geld auch mal gerne schnell verpuffen lassen können. Es sind deutlich weniger Kenntnisse und fortlaufende Aufmerksamkeit nötig wie sie von einem Einzelaktienerwerb gefordert werden. Sparpläne sind einfach in kostenlosen Depots umzusetzen, wenn auch Order- und Verwaltungsgebühren anfallen. Die Transparenz ist definitiv nicht so hoch wie bei Einzelaktien, denn du kaufst, wenn wir das Bild von oben wieder nehmen, einen Kuchen, der die verschiedensten Sorten bereithält, aber dafür ist es auch mit ETFs möglich, die Art der Kuchenstücke zu bestimmen. Möchtest du zum Beispiel nur in nachhaltige Unternehmen investieren (oder nur in Obstkuchenstücke) dann kannst du einfach einen entsprechenden ETF auswählen. Mehr Infos zu nachhaltigen Geldanlagen findest du in diesem Artikel. ETFs erlauben dir also ebenso in die (Zukunfts-)Branchen zu investieren, an die du glaubst – nur das bei deutlich niedrigerem Risiko als es bei Einzelaktien der Fall ist.

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