Gold, das Symbol schlechthin für Wohlstand und Macht. Wir stecken momentan in der Corona-Krise und in solchen Crashzeiten würde man sich als Anleger am liebsten in einen sicheren Hafen flüchten. Aber gibt es den? Wir haben einmal genauer untersucht, wie sich Staats- und Unternehmensanleihen, Gold, Silber und andere Rohstoffe im Dotcom-Crash und in der Finanzkrise gegenüber dem MSCI World geschlagen haben, um herauszufinden, wie man so krisenarm wie möglich durch den Crash kommt. Außerdem werfen wir einen Blick auf die Anfänge dieser Krisen und vergleichen sie mit unserer aktuellen Situation.

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Was sind eigentlich Anleihen?

Während Aktien für die Rendite zuständig sind, sind Anleihen unser Airbag. Aber was sind Anleihen überhaupt genau? Jedes Unternehmen kann Anleihen anbieten, um so an Liquidität zu kommen. Auch Staaten und Länder können Anleihen auf den Markt bringen. Eine Anleihe ist im Grunde ein Kredit und derjenige, der die Anleihen anbietet, wird zu einem Kreditnehmer. Kaufst du eine Anleihe, wirst du automatisch zu einem Kreditgeber und Gläubiger. Somit hast du das Recht, dein Geld am Ende der Laufzeit zurückzubekommen, inklusive der Verzinsung, die im Vorhinein festgelegt worden ist – entweder können die Zinsen jährlich oder am Ende der Laufzeit gesammelt ausgeschüttet werden. Es handelt sich bei einer Anleihe also um ein festverzinsliches Wertpapier. Anleihen werden als „sicherer Hafen“ gesehen, aber auch sie sind natürlich nicht risikolos. Schauen wir uns daher nun Gold, Silber, generell Rohstoffe sowie globale, EU-, US-Staats- und Unternehmensanleihen an. Welches Risiko, aber auch welche Rendite hatten diese Anleihen im Gegensatz zu Aktien in Krisen? Dafür werfen wir jetzt einen Blick in die Vergangenheit und analysieren den Dotcom-Crash wie auch die Finanzkrise.

Der 11. September 2001 & der Dotcom-Crash

Schauen wir uns zunächst den Zeitraum von Dezember 2000 bis Dezember 2003 an, der die Krise des 11. September 2001 und des Dotcom-Crashs beinhaltet. Der Graph zeigt grundsätzlich auf, wie viel Rendite gemacht worden ist (s. X-Achse) und wie hoch das Risiko ist (s. Y-Achse). Dabei ist wichtig zu wissen, dass sich das Risiko mit längerer Laufzeit verringert.

Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Dotcom-Crash - grafische Wertentwicklung Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Dotcom-Crash - Wertentwicklung 2000 - 2003 Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Dotcom-Crash - Risiko

Während des Dotcom-Crashs lief der MSCI World am Schlechtesten. Nicht nur der Verlust, sondern auch die Volatilität war äußerst hoch. Das gleiche Risiko, aber etwas weniger Verlust zeigte der Rohstoff Silber. Während US-Staatsanleihen bei relativ geringer Volatilität einen Verlust anstatt Rendite verzeichneten, gingen EU-Staatsanleihen und EU-Unternehmensanleihen in diesem Crash als Gewinner hervor, wenn man betrachtet, dass sie alle eine ordentliche Rendite bei sehr wenig Risiko hatten. So verzeichneten alle drei EU-Staatsanleihen verschiedener Laufzeiten eine sehr geringe Volatilität von unter vier Prozent und die EU-Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von fünf bis sieben Jahren konnte nach den Goldminen die zweithöchste Gesamtrendite vorweisen, obwohl das Risiko mit ebenfalls weniger als vier Prozent sehr gering ausfiel. Die globalen Unternehmensanleihen aller Laufzeiten zeigen sich im Mittelfeld: wenig Rendite bei relativ geringer Volatilität. Goldminen konnten mit Abstand die höchste Gesamtrendite vorweisen, aber auch das Risiko ging dabei mit in die Höhe. Neben Goldminen konnte sich auch Gold sehen lassen, allerdings deutlich unter der Rendite der EU-Staatsanleihen, dafür aber mit deutlich höherer Volatilität. Rohstoffe insgesamt, darunter Öl und Gas, Getreide, Metalle, Zucker, Kaffee, Baumwolle und Viehbestand, machten hingegen etwas Verlust bei nicht zu verachtendem Risiko.

Die Finanzkrise 2008/2009

Auch der Blick auf die Finanzkrise 2008/2009 zeigt schnell: Aktien waren auch in dieser Krise vielen Anlegern zu unsicher, der MSCI World verzeichnete einen Verlust bei hoher Volatilität.

Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Finanzkrise - grafische Wertentwicklung Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Finanzkrise - Wertentwicklung 2008 - 2009 Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Finanzkrise - Risiko

Mit ähnlichem Risiko aber dem höchsten Verlust zeigten sich Rohstoffe, worunter unter anderem Energie und Metalle fallen. Allein die Rohstoffe Gold, Goldminen und Silber standen bei der Gesamtrendite wie auch bei der Höhe des Risikos ganz oben auf der Liste. Während globale und EU-Unternehmensanleihen bei nicht allzu hoher Volatilität eine recht gute Rendite vorweisen konnten, sind Staatsanleihen – wie auch schon in der Dotcom-Krise – die Gewinner, wenn man die stabile Rendite bei nicht allzu hohem Risiko betrachtet. In der Finanzkrise haben jedoch US-Staatsanleihen die Nase vorn, wenn es um Rendite geht, EU-Staatsanleihen folgen aber dicht hinterher und haben eine deutlich niedrigere Volatilität (unter sechs Prozent) als US-Staatsanleihen.

Zwischenfazit

Wir haben uns die Verläufe des Dotcom-Crashs und der Finanzkrise angeschaut, um mögliche Muster zu entdecken, die möglicherweise auf die heutige Krise übertragbar sind. Das Resultat? Aktien performen schlecht, sie haben die niedrigste Rendite, zumindest wenn man sie kurz nach den Crashs bewertet. Die Unterschiede zwischen den Staats- und Unternehmensanleihen verschwimmen, wobei Staatsanleihen durch stabile Rendite und niedrige Volatilität besonders positiv hervortreten. Rohstoffe machen grundsätzlich Verlust bis auf Gold, das jedoch eine sehr hohe Volatilität aufweist. Der Rohstoff Silber ist unvorhersehbar: Während Silber in der Finanzkrise sehr gut gelaufen ist, lief es im Dotcom-Crash schlecht.

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Die Anfänge der Corona-Krise, des Dotcom-Crashs und der Finanzkrise im Vergleich

Momentan befinden wir uns in der Anfangsphase der Corona-Krise. Gerade deshalb ist es spannend, sich die jeweils ersten sechs Monate des Dotcom-Crashs und der Finanzkrise anzuschauen, wie auch die ersten zwei Monate der aktuellen Corona-Krise, um eventuelle Muster ausfindig zu machen: Wie haben sich die Anleihen damals am Anfang der jeweiligen Krisen verhalten?

Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Dotcom-Crash - ersten 6 Monate Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Finanzkrise - ersten 6 Monate Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Corona-Crash - Februar - April

Aktien

In allen drei Krisen kann festgestellt werden, dass sich der MSCI World immer ähnlich schlecht entwickelt hat. Während sie in der aktuellen Krise wie auch in der Dotcom-Krise bezüglich Rendite das Schlusslicht bilden, belegen sie in der Finanzkrise den vorletzten Platz. Die Volatilität ist in allen drei Fällen sehr hoch. In den ersten beiden Monaten der aktuellen Corona-Krise liegt die Volatilität sogar bei 51 Prozent.

Rohstoffe

Betrachtet man die Anfänge der drei verschiedenen Krisen, kann man bezüglich Rohstoffe feststellen: Alle Rohstoffe sind im Schnitt eher schlecht gelaufen und trotzdem ist es schwer ein konstantes Muster zu erkennen. Während Silber und andere Rohstoffe immer sehr schlecht gelaufen sind, sind die Rohstoffe Gold wie auch Goldminen zumindest in den Anfängen der untersuchten Krisen unvorhersehbar: 2008 hat Gold knapp 10 Prozent Rendite gemacht und das bei einer Volatilität von fast 30 Prozent. Zu den Anfängen der Dotcom-Krise hat Gold einen Verlust von etwa -6 Prozent bei einer Volatilität von knapp 14 Prozent gemacht und nach zwei Monaten der heutigen Corona-Krise steht Gold mit einer Gesamtrendite von etwas mehr als 5 Prozent wieder ähnlich wie bei der Finanzkrise weit oben. Dabei darf man das Risiko natürlich nicht aus den Augen verlieren, denn auch in der jetzigen Krise ist die Volatilität bei Gold hoch (36 Prozent). Während Goldminen in der Corona-Krise zwar ein wenig mehr Rendite als Gold vorweisen können, liegt bei ihnen das Risiko auf sage und schreibe knapp 93 Prozent!

Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Corona-Crash - Risiko Gold-, Anleihen und Rohstoffe während des Corona-Crash - Wertentwicklung

Unternehmensanleihen

In den ersten zwei Monaten der aktuellen Krise schneiden Unternehmensanleihen nicht gut ab: Sie verzeichnen Verluste und bis auf Anleihen mit einer Laufzeit von 1-3 Jahren ist das Risiko nicht unerheblich. In den ersten sechs Monate der Finanzkrise 2008/2009 lässt sich beobachten, dass EU-Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von 5-7 Jahren Verluste erleiden und Globale wie EU-Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von 1-3 Jahren sehr wenig Rendite machen. Im ersten halben Jahr des Dotcom-Crashs zeigt sich bezüglich der Globalen Unternehmensanleihen aller Laufzeiten ein ähnliches Bild: Die Rendite ist nur minimal, das Risiko nicht sehr hoch. Die EU-Unternehmensanleihen mit den Laufzeiten 1-3 und 5-7 Jahren zeigen beide eine gute Rendite bei sehr wenig Risiko.

Staatsanleihen

Am Anfang der drei Krisen sind US-Staatsanleihen ganz vorne hinweg, wenn es um hohe Rendite bei relativ niedriger Volatilität geht. Dicht gefolgt werden sie von den EU-Staatsanleihen, die alle ein besonders niedriges Risiko aufweisen. Während den Anfängen der Finanzkrise und des Dotcom-Crashs können EU-Staatsanleihen eine stabile Rendite vorweisen. In der aktuellen Corona-Krise muss momentan zwischen US- und EU-Staatsanleihen unterschieden werden. Während EU-Staatsanleihen in den ersten beiden Monaten leichtere Verluste bei niedriger Volatilität aufweisen, können sich US-Staatsanleihen einer höheren Rendite erfreuen, wobei in diesen Fällen auch das Risiko etwas höher ist.

Warum haben EU-Staats- und Unternehmensanleihen in der Corona-Krise im Wert nachgegeben? 

Hier sollte keinesfalls eine Panikreaktion erfolgen oder die Schlussfolgerung gemacht werden, dass die Entwicklung in jedem Fall so weitergeht. Hält man sich die beiden in der Vergangenheit liegenden Krisen, die wir analysiert haben, vor Augen, kann man davon ausgehen, dass die Tendenz die folgende ist: EU-Staats- und Unternehmensanleihen werden sich wieder erholen. Aber wie kommt es, dass diese Anleihen kurzfristig nachgeben? Zum einen kam der Crash in einer rasanten Geschwindigkeit. Zum anderen brauchen viele in Zeiten, in denen die Wirtschaft still liegt, Liquidität und diejenigen verkaufen dann eben nicht nur Aktien, sondern auch Anleihen und dadurch fällt ihr Wert. Dies bedeutet aber nicht, dass Unternehmens- und Staatsanleihen, die auch vorher in Krisen gut funktioniert haben, nicht auch wieder ein sicherer Hafen sein können.

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Fazit

Das grobe Schema ähnelt sich in allen drei Krisen: Aktien laufen am schlechtesten, Rohstoffe sind oft unvorhersehbar, außer Gold bzw. Goldminen, die bei hoher Volatilität auf lange Sicht häufig gute Renditen aufweisen können, und somit ihre Berechtigung haben. Unternehmens- sowie Staatsanleihen, bezogen auf das Verhältnis von Rendite und Risiko, sind meist krisensichere Anleihen. Klar, das Wunschszenario ist bei Anlegern meist viel Rendite einzuheimsen, aber das bei möglichst wenig Risiko. Daher sind Staatsanleihen nach unserem Analyse die Anleihen, die vermutlich auch während der Corona-Krise einen guten Airbag bieten können.

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