LBS, Schwäbisch Hall, BHW. Bausparverträge kennt fast jeder und fast genauso viele haben auch einen. Gehörst du auch dazu? Dann solltest du dir die Frage stellen, ob so ein Vertrag wirklich Sinn macht. Denn eigentlich steckt die Antwort schon im Namen. Bausparen heißt: du kannst dir das Bauen sparen. Nur fürs Sparen lohnt sich ein Bausparvertrag ohnehin nicht. Wir stellen dir einen Bausparrechner zur Verfügung, mit dem du überprüfen kannst, ob sich DEIN Bausparvertrag lohnt und erklären dir, welche Gründe grundsätzlich gegen Bausparen sprechen und welche Alternativen es gibt.

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Funktionsweise eines Bausparvertrags

Beim Abschluss eines Bausparvertrags legst du eine Bausparsumme fest. Nehmen wir mal an, die Bausparsumme würde 100.000€ betragen. Je nach Ausgestaltung des Bausparvertrags musst du 30 – 50% der Bausparsumme einzahlen, um zur sogenannten Zuteilungsreife zu gelangen. Hast du diesen Punkt erreicht, wird dir ein Bauspardarlehen zugeteilt.

Grundsätzlich kannst du einen Bausparvertrag in zwei Phasen unterteilen. Für die Ansparphase wird ein Guthabenzins festgelegt, mit dem du bis zur Erreichung der Zuteilung ansparst. Für die Zuteilungsphase – zu deren Beginn du ein Darlehen erhältst – wird dir ebenfalls schon ein Darlehenszins zugesichert.

In unserem Beispiel geht Paul, 30 Jahre alt, zur Bank und schließt einen Bausparvertrag mit einer Bausparsumme von 100.000€ ab. Der Ansparzins beträgt 0,1% und wenn Paul 50% angespart hat, erhält er ein Darlehen über 50.000€ mit einem Darlehenszins von 1,5%.

Geringe Zinsen des Bausparvertrags

Ein großes Problem des Bausparvertrags sind die sehr geringen Ansparzinsen. Damit Paul in 10 Jahren seinen 50.000€-Kredit zu den vermeintlich günstigen Zinsen bekommen würde, müsste er 414€ pro Monat sparen. Paul spart also 10 Jahre lang 414€ zu 0,1% Zinsen. Die Inflation liegt im Schnitt bei 2%. Das heißt: Pauls Geld wird effektiv weniger wert. Er erleidet Vermögensverluste. Aber warum macht Paul das? Vermutlich weil ihm gesagt wurde, die Sicherung niedriger Zinsen würde sich lohnen, wenn er später einmal bauen wollen würde oder seine Wohnung renovieren möchte. Aber stimmt das wirklich?

Wahrsagen mit Bausparverträgen

Die Vorstellung, dass du dir mit einem Bausparvertrag ein günstiges Darlehen sicherst, stimmt nur selten. Weißt du heute wie die Zinsen in 10 oder 20 Jahren aussehen? Wohl eher nicht. Genauso gut könnte man auf den Jahrmarkt gehen und sich von einer Wahrsagerin die Zukunft vorhersagen lassen. Hätte Paul vor 10 Jahren einen Bausparvertrag abgeschlossen, wäre er ihm mit den gleichen Argumenten verkauft worden – gute Darlehenszinsen, um günstig zu finanzieren. Doch wie sieht die Realität heute aus? Paul hätte einen Darlehenszins von 3,5% gehabt und bekommt heute ohne den Bausparvertrag einen Kredit zu 1,5%. Der Plan, auf Zinsen beim Ansparen zu verzichten, um im Gegenzug ein günstiges Darlehen zu bekommen, ist also völlig fehlgeschlagen.

Falsche Sparrate und Bausparsumme bei Bausparverträgen

Sparrate

Die nächsten Fallstricke bei einem Bausparvertrag sind die Höhe der Bausparsumme und die monatliche Sparrate. Wie du vielleicht gemerkt hast, habe ich bei der Einführung von Paul und seinem Bausparvertrag keine Sparrate genannt. Die Auflösung folgt. Wir wissen, dass Paul 414€ monatlich sparen müsste, um in 10 Jahren den Kredit zu bekommen. Tatsächlich wurde Paul aber empfohlen, mit 200€ zu starten. Das würde bedeuten, dass Paul erst in circa 20 Jahren seinen Kredit abrufen kann. Doch wann soll Paul dann anfangen, zu bauen – mit 50? Wir haben in der Praxis auch schon deutlich schlimmere Beispiele gesehen, bei denen der Bausparvertrag über 50 Jahre bespart werden müsste, damit eine Zuteilung erfolgen würde.

Höhe der Bausparsumme

Zudem ist die Höhe der Bausparsumme im Bausparvertrag oft viel zu niedrig angesetzt. Welches Haus lässt sich denn heute mit 100.000€ finanzieren? In Deutschland sollte das bei den aktuellen Immobilienpreisen auf jeden Fall sehr schwierig werden. In der Praxis heißt das: Paul muss ohnehin ein Darlehen zu den aktuell gültigen Konditionen aufnehmen – auch nachdem er bereits den vermeintlich vorteilhaften Bausparvertrag ausgezahlt bekommen hat.

Abschlusskosten bei einem Bausparvertrag

Bei einem Bausparvertrag wird direkt zu Beginn 1% der Bausparsumme als Abschlusskosten fällig. Für Paul heißt das, dass sein Vertrag mit 1.000€ Schulden startet. Angenommen Paul würde bei 0€ starten und 200€ monatlich für 20 Jahre zu 0,1% ansparen. Dann hätte Paul 485€ an Zinsen erwirtschaftet. Demgegenüber stehen aber die 1.000€ Abschlusskosten. Paul hat also noch ohne Berücksichtigung der Inflation im Laufe der 20 Jahre 500€ Schulden gemacht. 

Bausparvertrag - 7 Gründe keinen abzuschließen oder zu kündigen

Wohnungsbauprämie beim Bausparvertrag

Für den Abschluss eines Bausparvertrags wird oft mit Förderungen geworben. Und ja ­ die gibt es auch. Allerdings gilt das nicht für alle. Die sogenannte Wohnungsbauprämie beträgt 45€ pro Jahr und sie steht denjenigen zu, die unter 25.600€ Brutto verdienen. Zumindest bei unseren Kunden fallen hier schon die meisten aus dem Raster. Dieser vermeintliche Vorteil gilt also nur für die Wenigsten.

Bausparvertrag mit Riesterförderung

Nur weil ich eine Haselnuss in einen Kackhaufen presse, ist es noch kein Toffifee. Das ist ein Spruch aus unserer Strukturvertriebsvergangenheit, aber hier passt er wirklich gut! Warum ein Bausparvertrag keinen Sinn macht, habt hier schon erfahren. Nur weil man ihn zusätzlich staatlich fördert, wird das Problem nicht behoben. Mit Bausparverträgen mit Riesterförderung haben wir uns aber schon einmal ausführlich beschäftigt. Mehr dazu findet ihr hier.

Mehr zu Bausparriestern

Vermögenswirksame Leistungen und Bausparvertrag

Ein Bausparvertrag bietet dem Sparer die Möglichkeit, seine vermögenswirksamen Leistungen, welche eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers sind, ­zu nutzen. Doch ist es sinnvoll, diese Variante zu verwenden? Hier können wir ein definitives „Nein“ aussprechen. Warum? Aus den bereits genannten Gründen. Die Bausparsumme ist zu niedrig, man wird dazu gedrängt, noch mehr als die VL in den Bausparvertrag einzubringen und der Ansparzins ist verschwindend gering.

Tipp:

Die Alternative ist dein Geld in Fonds beziehungsweise ETFs anzulegen. Hierbei gilt es darauf zu achten, dass du dein VL-fähig ist. Eine gute Möglichkeit wäre zum Beispiel der Comstage MSCI World ETF (WKN: ETF110).

Soll ich meinen bestehenden Bausparvertrag kündigen?

Um zu überprüfen, ob du deinen Bausparvertrag kündigen solltest, gibt es zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1

Du kümmerst dich selbst darum und gehst wie folgt vor:

    1. Unterlagen zusammensuchen. Sammle die Auszüge der letzten Jahre zusammen sowie die Vertragsbedingungen, in denen du den Ansparzins und den effektiven Darlehenszins findest.
    2. Mach dir Gedanken zur Verwendung. Sei ehrlich zu dir. Stell dir die Frage, ob du den Bausparvertrag zum reinen Sparen nutzen möchtest oder zum Bauen.
    3. Überprüfung der Rentabilität. Sparen mit geringen Zinsen ist Schwachsinn. Das haben wir schon festgestellt. Aber wie sieht es aus, wenn man das Darlehen in Anspruch nimmt? Dafür findest du hier einen Bausparrechner mit dem du die Rentabilität deines Bausparvertrags überprüfen kannst.
    1. Konsequenzen ziehen. In den allermeisten Fällen wird das Ergebnis unter korrekter Anwendung der genannten Vorgehensweise sein, dass du den Bausparvertrag kündigen solltest. Dabei gilt es Kündigungsfristen zu beachten und natürlich solltest du dein Geld dann auch in sinnvolle Alternativen investieren
Tipp:

Hast du noch einen alten Bausparvertrag mit Ansparzinsen von über 1,5%, kannst du ihn gut als Tages-/Festgeldalternative nutzen.

Hinweis:

Um einen Vergleich anstellen zu können, musst du eine Rendite der alternativen Anlagemöglichkeit angeben. Wenn du 10 bis 20 Jahre den Bausparvertrag besparen würdest, sind 4-5% Zinsen in der folgenden Alternative vollkommen realistisch und können zur Berechnung hinzugezogen werden.

DOWNLOAD: maiwerk Bausparrechner

Möglichkeit 2

Wenn du weder die Zeit noch die Muße dafür hast, dich selbst darum zu kümmern, können wir das gerne für dich übernehmen. Dafür brauchen wir ebenfalls die oben genannten Unterlagen.

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Die Alternative zum Bausparvertrag 

Ansparphase

Für die Ansparphase solltest du dein Geld kostengünstig in einen ETF-Sparplan anlegen. Dazu benötigst du ­ wenn du dich selbst darum kümmern möchtest ­ nur eine Kombination aus zwei ETFs: 80% MSCI World ETF und 20% Emerging Markets ETF. Gute Anbieter sind hier iShares, Comstage und Xtrackers. Mehr zu dieser DIY-Lösung findest hier.

Darlehensphase

In vielen Fällen bietet sich ein sogenanntes Annuitätendarlehen an. Was sich dahinter verbirgt, kannst du gerne in unserem BauFi-Lexikon nachlesen. Da es aber noch andere sinnvolle Möglichkeiten gibt, empfiehlt es sich, einen unabhängigen Baufinanzierungsexperten zu Rate zu ziehen. Dieser wägt mit dir die Vor- und Nachteile der einzelnen Möglichkeiten ab, gibt dir wertvolle Tipps, worauf du beim Hauskauf achten solltest und begleitet dich bei der Baufinanzierung mit den Banken.

Zum baufi-lexikon

Fazit

Einen Bausparvertrag abzuschließen, macht heutzutage aus nahezu keinen Gründen mehr Sinn. Zu überprüfen, ob bestehende Bausparverträge noch weiterlaufen sollten, jedoch umso mehr. In unserem Beispiel hätte Paul 21 Jahre ansparen müssen, um die 50.000€ und damit die Zuteilungsreife zu erreichen. Danach erst hätte er den Kredit bekommen. Bei der Alternative im ETF-Sparplan hätte er nach 21 Jahren 88.237€, also über 38.000€ mehr. Damit hätte Paul nur noch einen Kredit von 11.762€ aufnehmen müssen, um seine Finanzierungssumme von 100.000€ zu erreichen. Der Zins müsste dabei über unrealistischen 23,37% liegen, damit sich diese Alternative für Paul nicht lohnt.

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