Riester Rente – 6 clevere Tipps wann sich riestern wirklich lohnt!

Riester-Rente – 6 clevere Tipps, wann sich riestern wirklich lohnt!

Die Riester Rente ist ein heiß diskutiertes Thema. Versicherungen, Banken & Vermittler raten dir meist, eine Riester Rente abzuschließen. Die öffentlich- rechtlichen Sender sowie diverse andere Offline- und Onlinemedien propagieren dagegen, dass sich „riestern“ nicht rentiert. Doch wer hat recht? Lohnt es sich auch als Single oder nur für Familien? Wir zeigen dir die wichtigsten Faktoren, die einer guten Rendite bei Riester im Weg stehen und du bekommst 6 clevere Tipps dazu, wann sich eine Riester Rente immer lohnt.

Interessenskonflikte

Bevor wir die zentralen Renditefaktoren der Riester Rente besprechen und dir konkrete Tipps fürs „riestern“ geben, sollten wir uns zunächst damit beschäftigen, warum in der Bevölkerung überhaupt eine derartige Unsicherheit bezüglich der Riester-Rente besteht. Auf der einen Seite hast du die Verkäufer und Berater ­ also die Versicherungsvermittler, Bänker oder Versicherungsmakler – , die Geld in Form von Provisionen dafür erhalten, dass du eine Riester-Rente abschließt. Zumeist werden die Vorteile wie staatlichen Zulagen (175€/Jahr Eigenzulage & 300€/Jahr pro Kind ) und die steuerliche Absetzbarkeit (bis zu 850€/Jahr) als Verkaufsargumente hervorgehoben. Vergessen wird dabei, dass die Riester Rente zu Abzügen bei deiner gesetzlichen Rente führt und du das angesparte Kapital auch später wieder versteuern musst.

Im Gegensatz dazu stehen die öffentlichen Medien ­allen voran ARD & ZDF. Aber auch andere Offline- und Onlinemedien locken ihr Publikum mit Aussagen wie „Riester lohnt sich wirklich nicht mehr“ oder „Riester Rente ein Flop“. Dabei recherchieren – häufig fachfremde – Journalisten für die diversen Formate zumeist nur unzureichend und oft auch falsch. Die Beiträge werden so gestaltet, dass sie möglichst viel Aufmerksamkeit erregen – verständlich aus Sicht der Herausgeber. Aber handelt es sich hierbei noch um eine neutrale Entscheidungshilfe, die dich bei deiner Frage unterstützt, ob sich ein Riestervertrag für dich lohnt oder nicht? Diese Frage muss leider häufig verneint werden.

Jedoch hat ein Teil der Kritik auch seine Berechtigung. Welche negativen Renditefaktoren es gibt, erfährst du im Folgenden. Zusätzlich werden wir dir einen Lösungsvorschlag an die Hand geben, der in den meisten Auseinandersetzungen mit dem Thema leider fehlt.

Negative Renditefaktoren

Nr. 1: falsche Riesterart

Da es nicht nur eine, sondern mehrere verschiedene Riesterarten gibt, sollten wir uns zunächst einen Überblick über die unterschiedlichen Formen verschaffen :

  • Bausparriester
  • Versicherungsriester (klassisch)
  • Versicherungsriester (fondsgebunden)
  • Fondssparplan
  • Banksparplan

Bausparriester

„Bausparriester“ ist nichts anderes als ein Bausparvertrag mit Riesterförderung. Bausparverträge eignen sich – wenn überhaupt – ausschließlich für den Erwerb einer Immobilie, weil du dir unter Umständen günstige Zinsen sicherst. Realistisch betrachtet handelt es sich hier aber eher um eine Art Glücksspiel, da niemand die Zinsen in 10 oder 20 Jahren vorhersehen kann. Praktisch heißt ein Bausparriestervertrag für dich: Wenn du nicht kaufst, hast du einen Riestervertrag, der in der Regel eine sehr geringe Verzinsung von aktuell 0,5 – 1% pro Jahr bietet. Rechnet man die Abschlusskosten von 1% der Bausparsumme hinzu, ist es kein Wunder, dass du aus solchen Verträgen oft weniger herausbekommst, als du eingezahlt hast.

Achtung

Wir raten definitiv vom „Bausparriestern“ ab. Für das Eigenheim gibt es bessere Finanzierungsmöglichkeiten (z.B. Eigenkapital über ETF-Sparplan & Kredit über Annuitätendarlehen) und der Ansparzins erreicht nicht einmal das Inflationsniveau.

Versicherungsriester (klassisch) 

Ein klassisch verzinster Riestervertrag bildet seine Verzinsung aus dem Deckungsstock einer Versicherungsgesellschaft. Klassische Rentenversicherungen, egal ob in der Riesterveriante oder nicht, sind aufgrund der Niedrigzinsphase schon lange nicht mehr zu empfehlen – insbesondere für junge Sparer. Der Ansparzins liegt aktuell bei 2,5 – 3,5% pro Jahr. Zudem hast du keinen Einfluss auf die Anlage und weißt auch nicht, wie dein Geld angelegt wird. Unter Experten spricht man auch von einer „Blackbox“.

Achtung

Wenn bei dir mehr als 15 Jahre bis zur Rente verbleiben, solltest du keine klassisch verzinsten Riester Rente wählen. Falls du bereits einen solchen Vertrag hast, kann sich ein Wechsel lohnen.

Versicherungsriester (fondsgebunden) 

Fondsgebundene Riesterverträge investieren – je nach Anbieter und Restlaufzeit des Vertrags bis zum Renteneintritt – den überwiegenden Teil deines Geldes in Fonds. Die Fonds kannst du dabei in aller Regel selbst wählen. Hier solltest du darauf achten Aktienfonds zu wählen. Die Risiken bei langfristigen Verträgen – und um solche handelt es sich ja meist bei der Altersvorsorge – sind verschwindend gering, zumal dir die eingezahlten Beiträge bei der Riester-Rente garantiert sind (Mehr zum Thema Risiko bei Fonds erfährst du hier).

Fondssparpläne mit Riesterförderung

Fondssparpläne kommen in der Ansparphase ohne eine Versicherung aus. Der Vorteil besteht hier darin, dass nahezu dein gesamtes Geld in Fonds angelegt wird. Leider hast du zumeist keinen Einfluss auf die Fondsauswahl. Zudem musst du dir in vielen Fällen zu Rentenbeginn teuer eine Rentenversicherung einkaufen, die dir dann monatlich deine Rente auszahlt –  es heißt ja nicht umsonst Riester Rente. Bei einem Riestervertrag muss dir das Kapital zu mindestens 70% als Rente ausgezahlt werden.

Tipp

Bei der Riesterart solltest du dich entweder für einen fondsgebundenen Versicherungsriester oder einen Fondsparplan mit Riesterförderung entscheiden. Wähle dabei – wenn möglich – Aktienfonds (ETFs) aus. Bei dieser Form der Anlage liegt die Verzinsung langfristig im Schnitt bei 6-8% pro Jahr.

Banksparpläne mit Riesterförderung

Banksparpläne sind prinzipiell eine weniger vorteilhafte Kombination aus einem Fondssparplan und einer klassischen Versicherung. Die Verzinsung ist dabei wie beim klassischen Versicherungsriester niedrig und du musst dir zu Rentenbeginn teuer eine Rentenversicherung zu den dann gültigen Bedingungen kaufen. Der einzige Vorteil ist, dass der Banksparplan sehr kostengünstig ist. Sinn macht er für dich maximal dann, wenn du im hohen Alter noch mit der Riesterrente starten willst. Ansonsten raten wir dringend von dieser Form des Riestersparens ab.

Nr. 2: Hohe Kosten

Welche Kostenfaktoren es bei Rentenversicherungen gibt, haben wir in diesem Artikel bereits detailliert betrachtet. Riester Renten funktionieren in Bezug auf die Kosten nach dem gleichen Prinzip wie private Rentenversicherungen. Die hohen Abschlusskosten in Form von Provisionen, die du von deinen eingezahlten Beiträgen zahlst, und die erhöhten laufenden Kosten machen einen Vertrag schnell sehr teuer. Abschlussprovisionen können bei einem Riesterbeitrag von 160€/Monat bei 2.000 bis 3.000€ liegen. Die laufenden Kosten sind oft 50 bis 100% höher als bei provisionsfreien Alternativen.

Achtung

Dein Vertrag befindet sich durch die hohen Kosten von Anfang an im Minus!

Tipp

Bei einigen Anbietern gibt es provisionsfreie Alternativen. Auch bei bestehenden Verträgen lohnt sich aufgrund der hohen laufenden Kosten oft ein Wechsel.

Zwischenfazit

Bei falscher Riesterart und hohen Abschluss- und Verwaltungskosten bei Riesterverträgen ist es kein Wunder, dass die öffentlichen Medien zum Teil zu einem vernichtenden Urteil kommen. Selbst die richtige Riesterart führt mit hohen Kosten (gerade in der ersten Hälfte der Vertragslaufzeit) zu unbefriedigenden Ergebnissen. Doch man kann es besser machen. 6 clevere Tipps dazu, wie du optimal „riestern“ kannst, erfährst du jetzt.

6 clevere Tipps für die Riester Rente

  1. Riesterart richtig wählen
  2. Hohe & möglichst lange Investitionsquote in Fonds
  3. Niedrige Kosten
  4. Steuerersparnis in ETF-Sparplan legen
  5. Finanzstarke Gesellschaft
  6. Hoher garantierter Rentenfaktor

Riesterart richtig wählen

Wie bereits erwähnt, solltest du einen fondsgebundenen Versicherungsriestervertrag oder einen Fondssparplan mit Riesterförderung wählen. Bei den Fondssparplänen gilt es darauf zu achten, dass die Rentenphase geklärt ist – du dir also nicht erst mit Renteneintritt eine Rentenversicherung kaufen musst.

Ausnahme

Im hohen Alter kann sich ein klassischer Versicherungsriestervertrag oder ein Banksparplan lohnen.

Tipp

Wenn du schon einen Vertrag mit einer anderen Riesterart abgeschlossen hast, solltest du diesen überprüfen lassen. Je länger der Vertrag noch bis zur Rente läuft, desto wahrscheinlicher lohnt sich ein Wechsel.

Hohe & möglichst lange Investitionsquote in Fonds

Vor allem bei fondsgebundenen Versicherungsriesterverträgen gibt es vielfältige Ausgestaltungen (z.B. 2-Topf- oder 3-Topf-Modelle, iCPPI-Modelle uvm.). Wichtig ist hierbei darauf zu achten, dass möglichst viel von deinem Geld in die freie Fondsanlage fließt. Bei Fondssparplänen ist das nahezu ausnahmslos gegeben. Durch die hohe Investitionsquote in Fonds steigert sich deine Rendite für deine Riester Rente.

Achtung

Es gibt fondsgebundene Versicherungsriesterverträge, die einen Großteil deines Geldes nicht fondsgebunden anlegen, sondern dein Geld klassisch in ihrem Deckungsstock anlegen. Die Verzinsung ist hier sehr gering.

Fokus auf niedrige Kosten

Achte darauf, einen Riestervertrag zu wählen, der eine niedrige Kostenquote hat. Bei jedem Angebot solltest du ein Produktinformationsblatt erhalten, auf dem die sogenannte “Effektivkostenquote“ ausgewiesen wird. Leider ist dieser Ausweis auch mit Vorsicht zu genießen – aber es ist ein erster nützlicher Indikator. Unter diesem Link findest du mehr Informationen zum Thema Kosten in Altersvorsorgeprodukten und hier geht es zu unserem Kostentest bei Riesterverträgen.

Steuerersparnis in ETF-Sparplan legen

Pro Jahr kannst du bis zu ca. 750€ über die Steuererklärung an Steuern sparen. Um wirklich effektiv für das Alter vorzusorgen und damit sich dein Riestervertrag richtig lohnt, solltest du die Steuerersparnis auf ein Depot legen und in einen ETF-Sparplan investieren. Verbleiben dir noch mehr als 15 Jahre bis zur Rente, kannst du das Geld in einen MSCI World ETF anlegen. Zwar musst du auf die Erträge 25% Abgeltungssteuer zahlen, aber die übrigen 75% sind geschenkte Erträge, die du ohne den Steuerzuschuss vom Staat nie bekommen hättest. Eine Beispielrechnung findest du weiter unten unter „Beweis: Riester lohnt sich“.

Finanzstarke Gesellschaft aussuchen

Bei Riester Renten handelt es sich meistens um Verträge, die du über mehrere Jahrzehnte abschließt. Da du jetzt noch nicht weißt, wie die Versicherungswelt in 20 oder 30 Jahren aussieht, solltest du dir heute einen finanzstarken Versicherer aussuchen. Gerade in Zeiten von Niedrigzinsen und hohen alten Garantieversprechen ist das nämlich nicht selbstverständlich. Unabhängige Ratingagenturen oder Institute wie Morgen & Morgen oder map-Report vergeben zum Beispiel Unternehmensratings, die dir einen ersten guten Eindruck vermitteln. Genauere Kennzahlen kann dir aber auch ein Berater liefern.

Auf hohen garantierten Rentenfaktor wert legen

Hast du einen soliden finanzstarken Versicherer ausgewählt, solltest du darauf achten, dass du einen hohen garantierten Rentenfaktor hast. Der Rentenfaktor legt bei Vertragsabschluss fest, wie hoch deine lebenslange Rente pro 10.000€ Kapital in deinem Vertrag ausfallen wird. Hier ist eine Garantie sinnvoll und bei Riesteer Renten – die dir zum Großteil nur eine Rente auszahlen können – auch dringend notwendig. Dabei solltest du besonders darauf achten, für wann der garantierte Rentenfaktor gilt und dass er nicht verändert werden kann. Das in diesem Fall etwas, dass vom Namen her „garantiert“ ist, dennoch unter Umständen verändert werden kann, ist ein Thema, dem wir uns zeitnah in einem anderen Artikel widmen werden.

Beweis: Riester lohnt sicht

Abbildung 1 zeigt den Status Quo von unserem Beispiel auf. Vertragsbeginn unserer fiktiven Riester Rente ist der 01.08.2018 und wir gehen zum 01.08.2055 in Rente.

Abbildung 1: Riester 6 clevere Tipps – Status Quo

Rechnung (Ansparphase)

Eingezahlte Beiträge Riester (netto):

160,42€ x 12 Monate x 37 Jahre

=

71.226,48€

Eingezahlte Beiträge Riester (brutto):

(160,42€ + 14,58€ Zulage + 61,83€ Steuerersparnis) x 12 Monate x 37 Jahre

=

105.152,52€

Rechnung (Rentenphase)

Zu erwartende monatliche Rente* nach Abzügen** aus Riester + ETF-Versicherungssparplan Steuervorteile

=

1.064€/monatlich (12.768€ jährlich)

Riester lohnt sich ab

71.226,48€ Eigenbeitrag / 12.768€ Jahresrente

=

5,58 Jahre

Zwischenergebnis

Wenn du bis zum Alter von 73 Jahren lebst, lohnt sich ein Riestervertrag schon für dich  – denn dann hast du zumindest deine eingezahlten Beiträge zurück. Geht man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 20 Jahren aus, hättest du sogar eine Nettorendite von 6,59% erzielt.

Ergebnis aus Riester + ETF Sparplan

Wie sich unser Riesterbeispiel in Zahlen niederschlägt siehst du in Abbildung 2.

Abbildung 2: Umsetzung Riester + ETF Sparplan und Auswirkung auf die Rentenlücke

Reiner ETF Sparplan als Alternative? Die Rechnung

Eingezahlte Beiträge ETF-Sparplan

160,42€ x 12 Monate x 37 Jahre

=

71.226,48€

Zu erwartende monatliche Rente nach Abzügen* aus ETF Sparplan

=

851€ (10.212€ jährlich) (siehe Abbildung 3)

Abbildung 3: Rentenlücke mit ETF Sparplan

Fazit

Wenn du Riester clever nutzt, lohnt es sich mehr als ein reiner ETF-Sparplan. Dafür solltest du allerdings unbedingt unsere Tipps beachten.

*Renditevorgabe: Riester = 5% p.a., ETF-Versicherungssparplan 7% p.a., ETF-Sparplan 7% p.a.

** Steuer + Sozialversicherungsabgaben

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Von |2018-12-05T18:03:56+00:0028. November 2018|Altersvorsorge, Kosten, Riester|

Geschrieben von

Marciano
Experte für Private Krankenversicherung & Altersvorsorge

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