Berufseinsteiger – Ratgeber für Versicherungen und Finanzen

Du hast dein Studium erfolgreich absolviert, deinen ersten Arbeitsvertrag unterschrieben und jetzt musst du dich als Berufseinsteiger um das Thema Versicherungen und Finanzen kümmern. Damit du das Thema effektiv abhandeln kannst, haben wir einen umfassenden Ratgeber für dich zusammengestellt mit Tipps und Tricks, die dir als Wegweiser durch die Versicherungs- und Finanzwelt dienen sollen.

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Pflicht(-versicherungen) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Krankenversicherung

Spätestens als Berufseinsteiger musst du dich selbst um deine Krankenversicherung kümmern. Verdienst du als Angestellter unter 60.750€ brutto pro Jahr (Stand: 2019), kommt für dich nur die gesetzliche Krankenversicherung in Frage. Bezüglich der Kosten unterscheiden sich die Krankenversicherungen nur marginal. Worauf du aber achten solltest sind die Zusatzleistungen, da sich hier auch bei gesetzlichen Krankenversicherern zum Teil große Unterschiede ergeben. Unter diesem Link kannst du die Krankenkassen vergleichen. Für weitreichende Zusatzleistungen benötigst du eine Krankenzusatzversicherung. Welche es gibt, erfährst du hier.

Tipp:

Wenn du es schnell und einfach haben willst, macht du unserer Meinung nach mit der Techniker Krankenkasse nichts falsch. Die passenden Anmeldeformulare findest du hier.

Verdienst du über 60.750€ brutto pro Jahr, bist du automatisch freiwillig gesetzlich versichert. Du hast dann die Möglichkeit, in eine Private Krankenversicherung zu wechseln. Dabei solltest du die Vor-und Nachteile genau für dich abwägen und am besten einen unabhängigen Berater zu Rate ziehen. Welche Berater es gibt und worauf du unbedingt achten solltest, erfährst du, wenn du auf die Link klickst.

JETZT LESEN: PKV Beratercheck – wer kann was?

Für den Fall, dass du noch unter 60.750€ brutto pro Jahr verdienst, sich das aber auf absehbare Zeit ändern wird und du eine Private Krankenversicherung in Erwägung ziehst, würden wir dir empfehlen, deinen Gesundheitszustand einzufrieren. Dazu musst du wissen, dass bei einer Privaten Krankenversicherung in der Regel die Gesundheitshistorie der letzten fünf Jahre abgefragt wird. Sollten also schwerwiegendere Krankheiten im Berufsleben hinzukommen, hast du trotzdem noch die Möglichkeit, dich privat zu versichern. Das funktioniert mit einer sogenannten Anwartschaft, die circa 10-20€ pro Monat kostet.

KFZ-Haftpflicht

Falls du ein Auto besitzt, ist der Abschluss einer KFZ-Haftpflichtversicherung Pflicht. Am besten vergleichst du Tarife bei check24 oder verivox.

Muss(-versicherungen) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Privathaftpflichtversicherung

Die Privathaftpflichtversicherung (kurz: PHV) versichert dich gegen Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die du anderen, sogenannten „Dritten“, zufügst. Spätestens mit dem eigenen Einkommen brauchst als Berufseinsteiger eine eigene PHV. Dabei solltest du eine PHV abschließen, die folgende Punkte mit absichert:

  • Forderungsausfalldeckung (Versicherung leistet, falls jemand dir einen Schaden zufügt und diese Person keine PHV hat)
  • Beruflicher und privater Schlüsselverlust
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten
  • Schäden an geliehenen oder gemieteten Sachen
  • Gefälligkeitsarbeiten (z.B. Umzugshelfer)

Eine gute Privathaftpflichtversicherung kostet ca. 60€ pro Jahr.

Achtung:

Bei günstigeren Tarifen wird häufig an der Leistung gespart. 10 – 20€ im Jahr sollte dir ein guter Tarif wert sein.

Tipp:

Wenn ihr als Paar in einer gemeinsamen Wohnung lebt, bildet ihr eine sogenannte „eheähnliche Gemeinschaft“. Ihr braucht dann nur noch eine PHV und könnt den Partner mitversichern. Das bringt euch circa 25-30% Kostenersparnis. Aber Achtung, die Schäden untereinander sind dann nicht mitversichert.

Hinweis: Beamte, Ärzte oder Anwälte brauchen zusätzlich eine Diensthaftpflicht- bzw. Berufshaftpflichtversicherung. Für mehr Informationen hierzu kannst du uns gerne anschreiben.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Als Berufseinsteiger verbindest du mit Hilfe deines Einkommens vielleicht schon gewisse Lebensträume, wie Haus, Kinder, Familie, Reisen und finanziellen Wohlstand. All das muss finanziert werden. Im Schnitt hat die Arbeitskraft eines Akademikers einen Wert von 1.500.000 Mio. Euro. Der Staat unterstützt dich bei der Absicherung einer Arbeitskraft nahezu gar nicht. Von wem du was bekommst, siehst du in Abbildung 1.

Berufsunfähigkeitsversicherung - Wer leistet wann wenn ich BU werde

Abbildung 1: schematische Darstellung des Verlaufs und der Leistung bei Berufsunfähigkeit

Daher solltest du den Wert deiner Arbeitskraft und damit deine Lebensträume unbedingt versichern, denn statistisch gesehen wird jeder vierte Arbeitnehmer berufsunfähig. Die häufigsten Gründe sind dabei psychischen Ursprungs. Eine komplette Auflistung findest du in Abbildung 2.

Berufsunfähigkeit - Ursachen

Abbildung 2: Übersicht der Ursachen für Berufsunfähigkeit
Quelle: Morgen & Morgen 2018

Achtung:

Mache nicht den Fehler zu glauben, dass dich Berufsunfähigkeit in einem „Schreibtischjob“ nicht treffen kann. Ein Großteil der Berufsunfähigkeitsfälle haben nichts mit dem spezifischen Beruf zu tun und können dich damit genauso treffen wie einen Handwerker.

Bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung solltest du auf drei Dinge achten und dies auch genau in dieser Reihenfolge:

  1. Das Bedingungswerk (Leistungskatalog des Versicherers)

  2. Die Finanzstärke des Versicherers (du schließt immerhin einen Vertrag für mehrere Jahrzehnte ab und da sollte es den Versicherer bestenfalls zu Ende der Versicherungsdauer auch noch geben)

  3. Den Preis

Tipp:

Schließe eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst früh ab. Je jünger du bist, desto gesünder bist du auch. Zudem ist die BU in jüngeren Jahren günstiger für dich. Achte dabei darauf, die Gesundheitsfragen für die Aufnahme genau zu beantworten.

Wichtige (Versicherungen & Finanzlösungen) ⭐️⭐️⭐️

Rücklagen bilden

Du solltest als Berufseinsteiger von deinen ersten Gehältern Rücklagen bilden. Wir empfehlen dir, dass du mindestens drei Nettogehälter als „Notgroschen“ hast. Eröffne dir dafür ein separates Konto bei z.B. N26 oder Comdirect. Wenn du gerne und viel reist, bietet sich ein Konto bei der DKB an, weil du dort weltweit kostenfrei Geld abheben kannst. Alle vorgeschlagenen Konten kosten dich keine Kontoführungsgebühren.

Wichtig: Bei einem „Notgroschen“ geht es nicht um die Verzinsung, sondern darum, dass du ihn hast. Ob du 0% oder 0,2% erhältst, spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Altersvorsorge

Die gesetzliche Rente reicht nicht aus. Wenn du es nicht jetzt schon weißt, dann wirst du es spätestens dann feststellen, wenn du zum ersten Mal den Bescheid von der Deutschen Rentenversicherung erhältst. Daher ist es unabdingbar, dass du fürs Alter vorsorgst. Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig. Bevor du dich also mit den Optionen beschäftigst, solltest du dir einen groben Plan machen. Wann möchtest du in Rente gehen? Welchen monatlichen Betrag möchtest du später zur Verfügung haben? Das sind Fragen, die meist gar nicht so einfach zu beantworten sind.

Tipp:

Wenn du gar nicht weiterkommst, gehe von einem Renteneintritt mit 67 Jahren aus. Nimm dein monatliches Nettoeinkommen von heute als Rentenwunsch und beachte die Inflation. Dafür findest du hier einen passenden Rechner.

Du kennst jetzt dein – wahrscheinlich gefühlt viel zu hohes – Ziel. Nun kannst du dich mit den Möglichkeiten beschäftigen. Die am häufigsten genutzten Altersvorsorgemöglichkeiten haben wir dir einmal zusammengefasst:

  • Riester-Rente
  • Betriebliche Altersvorsorge
  • Private Renten-/Lebensversicherung
  • Rürup-Rente
  • Depotsparen
  • Immobilie (selbstgenutzt oder als Kapitalanlage)

Die Vor- und Nachteile der ersten 5 Durchführungswege findest du hier.

Für die Altersvorsorge haben wir noch zwei wertvolle Ratschläge für dich. Du solltest unbedingt darauf achten, einen unabhängigen Berater ohne Interessenskonflikte aufzusuchen. Welche Berater diese Anforderungen am ehesten erfüllen, kannst du dir im untenstehenden Link anschauen. Zudem sollten die Produkte möglichst kostengünstig und ohne Provisionen angeboten werden. Dabei ist egal, ob es sich um eine Versicherung handelt oder ein Anlageprodukt, wie z.B. einen Fonds.

JETZT LESEN: Altersvorsorge Beratercheck – Wer ist wirklich unabhängig?

Tipp:

Bei Versicherungen empfehlen wir dir provisionsfreie Verträge – sogenannte „Nettotarife“ – und bei Fonds solltest du ETFs besparen.

Sinnvolle (Versicherungen & Finanzlösungen) ⭐️⭐️

ETF-Sparplan

Du möchtest von deinem Gehalt einen Teil für bestimmte Ziele sparen ­ wie z.B. eine Immobilie – oder generell Vermögen aufbauen? Am besten dafür eignet sich ein ETF-Sparplan. ETFs sind kostengünstige Fonds mit denen du breitgestreut und weltweit in Unternehmen investierst. Das geht schon ab 25€ pro Monat. Sie eignen sich perfekt für Berufseinsteiger. Wie du so einen Sparplan am besten aufbaust, erfährst du in unserem Tipp, den wir vor geraumer Zeit einmal für die BILD erstellt haben.

Hausratversicherung

Die Hausratversicherung deckt deinen Hausrat gegen Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus ab. Zusätzlich kannst du dich gegen Glasbruch und Elementarschäden versichern. Die Glasbruchversicherung deckt Schäden gegen die Fensterscheiben und z.B. das Ceranfeld ab. Elementarschäden können vor allem dann Sinn machen, wenn die Gefahr von Überschwemmungen (im Keller) besteht.

Tipp:

Gute Hausratversicherung decken auch den Diebstahl von Eigentum aus dem Auto oder dem Spint beim Sport ab. Zudem ist auch der Trickdiebstahl von z.B. einem Handy oder Portemonnaie mitversichert.

Rechtsschutzversicherung

Mit der Rechtsschutzversicherung kannst du die Rechtskosten für einen Rechtsfall abdecken. Dabei unterscheidet man in der Regel zwischen vier Bereichen:

  • Privatrechtsschutz
  • Verkehrsrechtsschutz
  • Berufsrechtsschutz
  • Wohnrechtsschutz

Tipp:

Es empfiehlt sich eine Selbstbeteiligung von 150€ zu wählen. Der Preis wird dadurch günstiger und gute Rechtsschutzversicherer bieten dir trotzdem die Möglichkeit einer kostenfreien telefonischen Ersteinschätzung.

Krankenzusatzversicherung

Wie schon bei der Krankenversicherung erwähnt, brauchst du für einen weitreichenden zusätzlichen Schutz eine Krankenzusatzversicherung. Hier unterscheidet man zwischen:

  • Zahnzusatzversicherung. Sie leistet bei der professionellen Zahnreinigung, Zahnbehandlung, Zahnersatz und Implantaten
  • Ambulante Zusatzversicherung. Zuzahlungen für Brillen, Massagen, Krankengymnastik, Arzneimittel, Heilpraktiker, Auslandsreisen, Laser-OP
  • Stationäre Zusatzversicherung. Behandlung durch Chefarzt, im Einbettzimmer, im Zweibettzimmer, freie Krankenhauswahl

Fazit

Als Berufseinsteiger sind einige Versicherungen sinnvoll und andere sogar Pflicht. Wenn du dich an unsere Reihenfolge hältst, solltest du nichts falsch machen. Falls dennoch einige Punkte unklar für dich sind, dann hinterlass uns einfach einen Kommentar unter diesem Artikel oder schreib uns gerne direkt an.

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